Während Stefan Plöchinger, Chefredakteur Süddeutsche.de, auf dem Fachkongress ‘besser online’ des deutschen Jouralistenverbandes eine differenziertere Debatte über den Online-Journalismus in Deutschland fordert, zeigt der aktuelle Relaunch von USA TODAY, wohin die Reise im News-Bereich gehen könnte: Weg von der reinen ‘Newspaper-Brand’. Hin zu einem integrierten Konzeptionsansatz von Printausgabe und digitaler Präsenz. Hin zu einer ‘News-Brand’.
USA TODAY, Tochter des US Verlagshauses Gannett, war bei ihrem Launch 1982 nicht nur die erste nationale Tageszeitung, sondern auch die erste, die spektakulär Farbe eingesetzt hat. Ihr laut Spiegel online ‘Boulevard-Häppchen-mit-Kästchen-Auftritt’ wurde zum vielkopierten Prototypen. Zum dreißigjährigen Jubiläum überarbeitete der Konzern nun den gesamten Markenauftritt und verpasste sowohl der Printausgabe als auch der Website und den Apps einen neuen Look. Dabei bleibt das Blatt sich treu und setzt auch in seiner digitalen Präsenz zunehmend auf die Macht der Bilder.
Konventionen der App-Welt bestimmen neues Layout
Spannend am neuen Design ist, dass das gedruckte Blatt nun an eine Website erinnert, die Website an eine iPad-Applikation im Stil von Flipboard, während die Apps wiederum eher einer herkömmlichen Nachrichtenseite ähneln. Auffallend ist auch, dass das Geschäftsmodell für den Anzeigenverkauf zunehmend von den Konventionen der App-Welt beherrscht wird. Eine horizontale Navigation mit Pfeilen links und rechts schafft eine Nutzungserfahrung ähnlich einer iPad Nutzung. Sehr smart und userfreundlich. Klickt der Nutzer auf einen Artikel, wird dieser über die Ausgangsseite, die dahinter stehen bleibt, eingeblendet. Das Layout ist durchgängig auf allen digitalen Kanälen.
Getrieben ist der Relaunch laut Advertising Age sehr stark von dem Wunsch, den werbetreibende Unternehmen in der Anzeigengestaltung neue Möglichkeiten zu bieten. Larry Kramer, seit Mai diesen Jahres neuer President bei USA TODAY: “I think the full-page digital ad will be the primary one of the future”.
Website usatoday.com (38,7 Mio. Nutzer im August 2012, +48%YoY)

Einzelne Artikelseite als Information Overlay

iPad App

TV Commercial
Fazit: Der Journalismus befindet sich in einer Umbruchphase. Die Werbeeinnahmen sinken teilweise dramatisch. Verlage gehen die unterschiedlichsten Wege, um diese Herausforderungen zu meistern. Mit dem Relaunch ging USA TODAY gleichermaßen auf die Bedürfnisse der Leser und der Anzeigenkunden ein und passte seine Kernkompetenzen den veränderten Lesegewohnheiten und technischen Neuerungen an. Erfolgreich bei den Lesern könnte das Angebot v.a. aufgrund einer sehr guten Usability werden. Erfolgreich bei den Anzeigenkunden aufgrund einer Focusierung auf neue, grossformatige und interaktive Anzeigenformate.




