Im April 2012 gab der tote US-amerikanische Rap-Künstler Tupac Shakur beim Coachella-Festival einen Gastauftritt, der das Publikum jubeln ließ – und ein wenig erschauern. Die Live-Auftritte von Miku Hatsune, einer Mangafigur aus der Feder des japanischen Illustrators KEI, ziehen regelmäßig eine große Fangemeinde an. Die Welt scheint verrückt geworden zu sein – oder einfach nur digital.
Quelle: Sony / SEGA
Mithilfe modernster 3D-Hologramm-Technologie ist es heute möglich, täuschend echte Avatare zu kreieren, sie in den Raum zu projizieren und in den Dialog mit „echten“ Menschen treten zu lassen. So können nicht nur tote Stars vermeintlich zum Leben erweckt werden.
Die Hologramm-Technologie wird auch außerhalb der Unterhaltungsbranche immer stärker eingesetzt. Da sich mit steigender Automatisierung typischer Flugreiseprozesse immer mehr Fluggäste über eine „Entmenschlichung“ beklagten, wollen die New Yorker Flughäfen nun herausfinden, ob digitales Bodenpersonal eine persönlichere Atmosphäre schaffen kann: „Ava“, ein „Airport Virtual Assistant“, soll Fluggäste begrüßen, den Weg zum Anschlussflug weisen oder wichtige Fluginformationen weitergeben. Airus Media, Hersteller von „Ava“, wirbt mit der Verlässlichkeit des Avatars. „Ava“ werde nie krank, brauche keinen Urlaub und sei stets freundlich.
Source: Airus Media
Ein perfekter Ersatz für das menschliche Bodenpersonal also? Allein die Kosten lassen zweifeln: Die Anmietung von 5 Avataren für eine sechsmonatige Testphase schlägt für die Flughäfen mit $180.000 zu Buche. Der Kaufpreis pro Stück liegt bei $250.000. Verglichen mit dem Durchschnittslohn des menschlichen New Yorker Bodenpersonals (ca. $11/Stunde) eine stolze Summe. Dabei ist „Ava“ – anders als Tupac Shakur auf dem Coachella Festival – deutlich als Projektion auf einer 5cm-dicken, silhouettierten Plexiglasscheibe erkennbar. Ob sich so eine „menschlichere“ Atmosphäre schaffen lässt, ist mehr als fraglich.
Gegenwärtig noch im Anfangsstadium, werden Technologien wie 3D-Hologramme oder Augmented Reality langfristig die Grenze zwischen realer und digitaler Welt verschwimmen lassen. Die genannten Beispiele sind Tests, die die Akzeptanz und Einsatzmöglichkeiten von Avataren in einer ersten Stufe ausloten sollen. Man darf gespannt sein, welches Resümée die New Yorker Flughafenbetreiber in sechs Monaten zum Einsatz von „Ava“ ziehen werden. Wem der Dialog mit dem digitalen Bodenpersonal unheimlich erscheint, kann auch weiterhin ganz „altmodisch“ einen Schalterangestellten ansprechen. Oder seine Fluginformationen über das Smartphone abfragen.




