Shoppingparties im eigenen Wohnzimmer. Wer erinnert sich da nicht sofort an Avon und Tupperware – die Pioniere des Homeshopping? Nun tauchen Direktvertriebskonzepte in etlichen Start-Up Businessplänen wieder auf. Als sog. ‘Social Selling Communities’ holen sie durch eine Kombination aus zeitgemässem Technikeinsatz, Social Media und Beratung die Parties ins Jahr 2012.
Jeremy Liew von Lightspeed Venture Partners erläutert in einem aktuellen Techcrunch-Gastartikel ‘Is Direct Selling the next Driver of Start-Up Commerce Companies?’, warum gerade Start-Ups auf das altbewährte Konzept des Direktverkaufs aufbauen: In einer schwierigen wirtschaftlichen Arbeitsmarktsituation garantieren die Parties Zusatzverdienste für den Gastgeber, durch Facebook&Co lassen sich schnell grössere Reichweiten generieren und durch moderne Tablets kann ein weitaus grösseres Angebotsspektrum präsentiert werden als es die Muster und Proben von früher zuliessen.
Liew nennt eine ganze Palette an neuen Angeboten aus dem Fashionbereich: Thirty One Gifts, Stella and Dot, Chloe and Isabel, Gigi Hill, Miche Bags sowie J Hilburn. Daneben gibt es Angebote in den unterschiedlichsten Nischen: Scentsy.com für Duftkerzen, Vino Virtuoso für Weinliebhaber oder Paperly für personalisierte Druckerzeugnisse. Houseparty bietet von Brands gesponsorte Markenparties an. Dort können Partygäste bspw. neue Produkte testen.
Pop-Up Stores im Wohnzimmer: Schmuck statt Tupperware
Anfang des Jahres investierte Sequoia Capital 37 Mio. US$ in Stella&Dot
Gründungswelle schwappt nach Deutschland
Nun schwappt die Welle auch nach Deutschland. Eine Reihe ganz ähnlicher Konzepte wird vorbereitet oder ist bereits gestartet. So launchte BuyVIP Gründer Gerald Heydenreich gerade Pippa&Jean und setzt dabei laut Eigenaussage auf Direktvertrieb im E-Commerce: “Über sog. ‘Style Coaches’ werden die Kollektionen direkt zu den schmuckbegeisterten Kunden nach Hause gebracht und bei Style Partys präsentiert. Darüber hinaus verfügt jeder Style Coach über eine personalisierte Online Boutique, die jeweils einer geschlossenen Community an registrierten Nutzerinnen zugänglich ist, und erreicht sein Netzwerk über Social Media Kanäle.”
Verlängerung der Online- in die Offline-Welt
Mittelfristig sollen 100.000 Frauen als Style-Coaches für Pippa&Jean gewonnen werden
Ein weiteres Projekt des Inkubators Springwise startete kürzlich mit Juvalia&You. Ein weiteres steht mit Ada’s Avenue in den Startlöchern. Auch regionale Ketten wie Budnikowsky bieten Beauty-Parties an. Für Shopping-Party Fans gibt es eine eigene Facebook Seite ShoppingParty.
Fazit: Die Online-Welt drängt gerade im Bereich Schmuck, Mode, Accessoires, Kosmetik und Lifestyle-Produkte stark ins Offline-Universum. Das Wohnzimmer der Onlinerinnen hat dabei den unschlagbaren Vorteil, den per se unpersönlichen E-Commerce sozialer und emotionaler zu gestalten – ohne grosse Invests in reale Verkaufsflächen zu benötigen. Es wird spannend sein zu beobachten, inwieweit die v.a. weibliche Nutzerschaft hier in Deutschland auf den Trend des Social Selling reagiert. Der Charme der Avon-Beraterin und der Tupperparties hat ja hierzulande mittlerweile etwas nachgelassen.




