Kaum ist die aufgeregte Berichterstattung über Facebooks bevorstehenden Börsengang etwas abgeflaut, wirbelt ein weiterer Social Media Dienst durch die Tech-Branche und beherrscht die Schlagzeilen. In einem Gastkommentar bei CNN erläutert Pete Cashmore, CEO des Branchendienstes Mashable, warum er die neue Social Bookmarking Plattform Pinterest für die ‘heisseste Website 2012′ hält. Was steckt hinter dieser Website, die im Jahr 2010 gegründet und aktuell immer noch im Beta-Stadium, im Oktober 2011 27 Mio. US$ Venture Capital von Andreessen Horowitz und 10 Mio. US$ von Bessemer Venture Partners erhielt? Mit rund 200 Mio. US$ bewertet wird, kaum Umsatz macht (sieht man von bisher nicht kommunizierten Affiliate Programmen ab) und laut eigener Aussage auch keinerlei Monetarisierungspläne verfolgt. Dafür aber eine Explosion der Nutzerzahlen v.a. bei Frauen vorzuweisen hat. Mittlerweile gehört Pinterest zu den Top 10 Social Sites in den USA und wird zunehmend zu einem wichtigen Traffic-Lieferanten speziell von eCommerce Sites. Der Erfolg zieht bereits die ersten deutschen Copy Cats nach sich: In Berlin starteten Pinspire und LikedBy, lupenreine 1:1 Kopien.
Der Social Media Dienst ermöglicht seinen Nutzern das Bookmarken von Fotos und Videos. Getragen wird das Pinterest-Konzept dabei von einer ansprechenden Optik und der einfachen Art und Weise, wie Inhalte entdeckt und geteilt werden können. Analog Twitter oder Google+ können die Nutzer einander folgen und ihre Web-Fundstücke auf einer eigenen Pinterest-Pinnwand übernehmen. Analog Facebook können Bilder und Pinnwände mit einem ‘gefällt mir’ gekennzeichnet werden. Doch anscheindend befriedigt das Netzwerk darüber hinaus Bedürfnisse, die die etablierten Plattformen nicht abdecken. Was viele eCommerce Seiten bisher vermissen lassen, das Stöbern und Schaufenster-Bummeln, bietet Pinterest. Es ist nicht zielgerichtet wie etwa ein Preisvergleich bei Amazon oder eine Google-Suche und genau damit könnte es im Mainstream ankommen: Als Produktempfehlungsnetzwerk für Unternehmen.

Pinterest, eine digitale Pinnwand, setzt auf die Kraft des Bildes.
Erste Unternehmen beginnen bereits, die Möglichkeiten, die die digitale Pinnwand bietet, auszuloten. So startete der Versender Lands’ End das Gewinnspiel ‘Pin It to Win It’. Auf den Produktseiten wurde neben den ‘+1′ und ‘Like’- ein ‘Pin it’-Button integriert; die Nutzer wurden aufgefordert, mittels dieser Pins virtuelle Lands’ End Canvas Pinnboards zu kreieren, um gewinnen zu können. Michele Casper, Director of Public Relations, nennt v.a. die Schaffung von Aufmerksamkeit und Interessenten-Neugewinnung als Ziel: “Lands’ End Canvas is continuously looking for new communication channels and opportunities to introduce new customers to the brand”. Auch Brands wie GAP, Whole Foods, Threadless, Travel Channel und sogar General Electric sind zu finden.

Erste Brands experimentieren mit Pinterest: Gewinnspiel von Lands End
Fazit: Ein spannendes Konzept, das viele eCommerce Konzepte bisher vernachlässigen. Denn: Entstehen Konsumwünsche wirklich durch optimierte Suchprozesse? Sicher nicht. Der visuelle Ansatz macht vielmehr Lust, zu stöbern und sich inspirieren zu lassen. Lust auf ein bestimmtes Produkt, ein bestimmtes Hotel oder einen Film. Und dieses Potential könnte durchaus dazu führen, dass die Plattform im Mainstream ankommt. Letztlich ist jedoch die Frage, ob diese eine Plattform erfolgreich sein wird oder nicht, für Unternehmen nicht entscheidend. Denn, um dem immer komplexer werdenden Phänomen Social Web gerecht werden zu können, erfordert es vielmehr die Einordnung in eine Gesamtstrategie. Die Überprüfung, ob und wie Social Media oder eben eine bestimmte Plattform die eigene Wertschöpfung bereichern kann. Je nach Zielsetzung oder Zielgruppe kann die Antwort ganz verschieden ausfallen.



