Universität der Zukunft: Kostenlose Onlinekurse der Elite-Universitäten als Game-Changer?

Keine geringere Vision als die Demokratisierung der Hochschulbildung verkündete der ehemalige Stanford-Professor Sebastian Thrun auf dem gerade zu Ende gegangenen Innovationskongress DLD 2012 in München. Angefangen hatte alles als Experiment: Der Experte für Künstliche Intelligenz und Forscher bei Google stellte ein Seminar zur ‘Einführung künstlicher Intellingenz’, das er normalerweise an der US-Eliteuniversität Stanford hält, kostenlos im Netz zur Verfügung. Der Erfolg war überwältigend: 160.000 Studenten aus 190 Ländern weltweit meldeten sich an und folgten dem dreimonatigen Kurs. Am Ende bestanden 23.000 Studenten den Kurs. 248 davon sogar zu 100%. Einziger Wermutstropfen: Sie erhielten zwar eine Bestätigung, jedoch nicht von Stanford. Dies blieb den regulär an der Universität eingeschriebenen Studenten vorbehalten.

stanford engineering everywhere: Kostenlose Onlinekurse renommierter Professoren der Stanford University erzielten hohe Reichweite

Stanford, eine der renommiertesten amerikanischen Universitäten, begann bereits im Jahr 2008 Kurse kostenlos und für jedermann zugänglich zu machen: So stellt der Bereich Software Engineering unter dem Namen stanford engineering everywhere verschiedene Kurse online; weitere Onlinekurse, die aktuell angeboten werden, finden sich bspw. hier. Und auch das Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) bietet ab Frühjahr 2012 mit einer neuen interaktiven Plattform M.I.T.x. kostenlose Kurse an; interessant hierbei: Ein Student, der erfolgreich einen Kurs beendet hat, bekommt auch ein Zertifikat des M.I.T..

Auch in 2012 bietet die Stanford University weitere kostenlose Onlinekurse renommierter Professoren an

Zwar nutzen viele der internationalen Spitzenuniversitäten bereits digitale Medien, um im Kampf um die besten Studenten auf sich aufmerksam zu machen. Häufig wird dabei auch auf iTunes U(niversity), den Bildungsbereich innerhalb des Apple iTunes Store, verwiesen. Eine Plattform, auf der sich etwa die LMU München seit Anfang 2009 mit einem eigenen Portal präsentiert und dort ihre digitalen Inhalte zu Forschung und Lehre sowie zur Universität allgemein zum kostenlosen Download bereitstellt. Rund 12 Mio. Downloads seit Start belegen das grosse Interesse am digitalen Angebot. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich Informatik ist tele-Task, ein Angebot des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik. Doch noch befinden sich viele Unis in einem Stadium des Experimentierens.

Gründung des Start-Ups Udacity.com: Demokratisierung der Hochschulausbildung
Dieser eine Kurs allein habe mehr Einfluss auf die Bildung gehabt als seine ganze bisherige Karriere, beschreibt es Thrun auf seinem DLD-Vortrag (Der gesamte Vortrag ist auf YouTube zu sehen). Zusammen mit mehreren Kollegen hat er deshalb die Bildungs-Plattform Udacity gegründet. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse sollen für Studenten auf der ganzen Welt kostenlos verfügbar sein. Gleiche Chancen für alle nach dem Motto: ‘Democratizing Higher Education’. Zu den Dozenten zählen nach eigenen Angaben einige der besten Lehrer weltweit. Studenten kämen aus fast jedem Land. Zwei der Themen gleich zu Beginn: Programmierung einer Suchmaschine oder eines ‘Robotic Car’.

Universität der Zukunft: Bildung für alle auf Udacity.com

Fazit: Es ist an der Zeit, dass auch im Bildungswesen moderne Technik eingesetzt wird und sich Universitäten verstärkt mit den Potentialen digitaler Technologien auseinandersetzen. Mit dem Angebot kostenloser Onlinekurse der Elite-Universitäten werden sich die Spielregeln ändern. Doch die Investitionen sind hoch. Nach Angaben der New York Times steckt alleine das M.I.T. mehrere Mio. Dollar in die neue Plattform. Die Herausforderung, der sich Thrun nun ausserhalb des Wissenschaftsbetriebs stellen muss: Gelingt es ihm, dieser Online-Plattform auch ohne den Namen ‘Stanford’ genug Wertigkeit zu geben, um sich in einem dynamischen Markt zu behaupten?