Aufmerksamkeit ist ein wertvolles Gut. Mit dem Start der Google+ Unternehmensseiten kämpft nun ein weiteres soziales Netzwerk um die Gunst der Konsumenten. Ausserdem verdichten sich Gerüchte, dass auch Microsoft am Social Web Boom teilhaben möchte. Laut The Verge ist mit SOCL eine Art soziale Suchmaschine geplant. Die Möglichkeiten im Social Web, Brand Awareness zu generieren und direkt mit seinen Nutzern zu kommunizieren, explodieren. Die Fragmentierung nimmt immer weiter zu. Für Unternehmen wird es zunehmend komplexer, hier up-to-date zu bleiben. Vielen Unternehmen stellt sich berechtigterweise die Frage: ‘Wir sind bereits auf Facebook und Twitter. Jetzt auch noch G+?’
Die Antwort darauf ist weder Ja noch Nein. So einfach ist es nicht. Die Antwort lautet: Das hängt davon ab … Social Media an sich ist keine Strategie. Kann aber dabei helfen, Marketingziele zu erreichen. Und nur dabei sein, weil alle es tun, macht ja nicht wirklich Sinn. Gerade vor dem Hintergrund personeller und technischer Ressourcen. Denn jeder zusätzliche Social Media Kanal will aktiv gepflegt sein.
Google+ vs. Facebook
Die neuen G+ Pages, das Konkurrenzangebot zu den Fanpages von Facebook, unterscheiden sich in vielem von diesen. Gegenüberstellungen finden sich derzeit allerorten. Eine interessante Zusammenfassung bietet bspw. ReadWriteWeb. Das Branchenblatt vergleicht die Auftritte von BMW und Mercedes-Benz in beiden Netzwerken: Während Facebook der First-Mover Advantage mit dementsprechend grösserer Reichweite und besserer technischer Entwicklung zugeschrieben wird, besitzt G+ trotz derzeit rudimentärem Funktionsumfang hohes Potenzial v.a. bzgl. User Engagement. So ermöglichen es die ‘Circles’ genannten Freundeskreise Unternehmen, ausgewählte Informationen gezielt an einzelne Personen oder definierte Zielgruppen zu veröffentlichen. Vorstellbar ist auch, die sog. ‘Hangouts’ im Bereich Kundenservice einzusetzen und mit Kunden via Videochats 1:1 direkt in Verbindung zu treten oder ähnliche Kundenanfragen in Gruppen zu bündeln. Eigene Landing-Pages, Spiele oder Shoppingfunktionen fehlen dagegen (noch). Auch Schnäppchenangebote, Couponaktionen oder Gutscheine, auf Facebook häufig der Grund für ein ‘Like’, sind auf G+ unerwünscht.

Pionier der ersten Stunde: Pepsi Brandpage auf Google+
Verknüpfung von Search, Social Web und Musik: Killer Feature?
Der entscheidende Unterschied der beiden Netzwerke aber ist: Mit den neuen G+ Unternehmensseiten verwischen die Grenzen zwischen Search und Social Web zunehmend. Die nahtlose Integration von Google+ in die Google-Suche ist ein nicht zu unterschätzender Faktor im Vergleich zu den Fanpages auf Facebook. Die Chance, gefunden zu werden, dürfte durch eine wohlüberlegte Präsenz deutlich steigen. Suchanfragen, die mit einem Pluszeichen beginnen, führen zukünftig zu einer Schnellverknüpfung des Google+-Mitglieds und der in den Suchergebnissen auftauchenden Unternehmensseiten.
Seit heute eng mit Google+ verzahnt ist auch Google’s neuer Musikdienst ‘Google Music‘. Über Kooperationen mit Sony Music, Universal, EMI und vielen kleineren Plattenlables werden aktuell mehr als 13 Mio. Songs angeboten. Sofern ein Freund einen Musikkauf auf Google+ veröffentlicht hat, lassen sich diese Songs dort einmalig kostenlos anhören. Im Gegensatz zu Facebook, das sich als Plattform zum Teilen versteht, wird Google so zum Inhalteanbieter. Ein sog. Artist Hub ermöglicht es Künstlern, ihre Musik direkt über Google Music zu vermarkten und Preise für einzelne Songs selbst festzulegen. Mit einer Umsatzbeteiligung für Google von 30%.
Fazit: Brauchen wir eine G+ Seite? Wie immer im Marketingprozess gibt es keine Pauschalantwort auf Fragen dieser Art. Dem komplexen Phänomen Social Web gerecht zu werden erfordert vielmehr die Einordnung in eine Gesamtstrategie. Die Überlegung, wie Potenziale für die eigene Marke genutzt werden können. Die Überprüfung, ob und wie Social Media die eigene Wertschöpfung bereichern kann. Je nach Zielsetzung oder Zielgruppe kann die Antwort ganz verschieden ausfallen. Entscheidend aber ist: Die Kommunikation der Menschen verändert sich und damit auch ihre Art und Weise, sich über Produkte und Unternehmen eine Meinung zu bilden. Es ist höchste Zeit, sich auf Managementebene professionell damit auseinanderzusetzen.




