Es ist der bislang wohl ehrgeizigste Versuch, die Zeitung ins digitale Zeitalter zu bringen. Die mit Spannung erwartete iPad Zeitung ‘The Daily’ ist die erste Tageszeitung, die nur auf dem iPad erhältlich ist. Es gibt sie weder als gedruckte Version noch als Internetausgabe und vorerst auch nicht auf anderen Tablets. Vorgestellt wurde ‘The Daily’ heute in New York gemeinsam von Rupert Murdoch, NewsCorp., und Eddy Cue, VP Internet Services bei Apple und u.a. verantwortlich für iTunes und damit auch den angeschlossenen App-Store, über den der Vertrieb erfolgt. Die digitale Zeitung kann nämlich nur als Applikation aus Apple’s App-Store geladen werden und kostet den US Nutzer 99 US Cent pro Woche bzw. knapp 40 US$ pro Jahr (Einzelausgabe gerade mal 14 Cent). Nach Murdochs eigenen Aussagen arbeiten rund 120 Redakteure für die Zeitung; die Entwicklungskosten lagen bei rund 30 Mio.US$, während sich die laufenden Kosten auf ‘überschaubare’ 500.000 US$ pro Woche addieren. Was bedeutet, dass eine Refinanzierung nur über die Masse erfolgen kann. Umsatz generieren sollen dabei v.a. Abonnements, langfristig soll Werbung ca. die Hälfte des Umsatzes bringen.
‘The Daily’: Kein Papier, keine Druckmaschinen, keine LKW
Murdoch’s Ziel? Rupert Murdoch möchte nichts weniger als die Kostenlos-Kultur des Internets ändern. So war Murdoch einer der ersten Medienunternehmer, der die Onlineausgaben seiner Zeitungen, wie etwa das Wall Street Journal oder die Londoner Times, kostenpflichtig machte. Nun setzt er auf das iPad, das gerne als d e r Hoffnungsträger für die Zeitungsverlage gesehen wird.
Doch wird die Idee einer reinen iPad-Zeitung tatsächlich zum Geschäftsmodell für die Medienbranche? Die Antwort ist offen. Sicher ist der iPad als Plattform mit bisher mehr als 15 Mio. verkauften Geräten attraktiv.
- Fraglich ist aber erstens, ob die Kooperation mit Apple wirklich derart hohe Leserzahlen bringen kann, die zur Refinanzierung notwendig sind. Andere Vorzeigeprojekte, wie etwa Wired, melden nach anfänglichen Erfolgen inzwischen drastisch sinkende Verkaufszahlen.
- Zweitens gilt gerade die Abhängigkeit von Apple als Problem. Bei Käufen über iTunes bleiben 30% vom Kaufpreis bei Apple.
- Und drittens übernimmt Apple als Vertriebspartner das entscheidende Gut der Zeitungsverlage: Die direkte Kundenbeziehung. Nicht mehr zu wissen, wer die neue Zeitung liest, macht es nicht einfacher, Werbung zu akquirieren.
Wie die Diskussionen zeigen, möhte Apple Inhalteanbieter unbedingt in seinen iTunes Shop zwingen (siehe hierzu auch einen aktuellen Artikel in der ftd: App-Store – Apple stellt Verlagen Ultimatum). Zudem steht die Konkurrenz schon in den Startlöchern: Berichten zufolge soll Google an einem Kiosk für Medieninhalte arbeiten; die New York Times arbeitet mit ‘News.me‘ ebenfalls an einem neuartigen Projekt für das iPad. Daneben verfolgen unabhängige Newsreader und iPad-Aggregatoren, wie Flipboard oder Pulse ähnliche Wege; ein von Medienkonzernen finanziertes Projekt namens Ongo (beteiligt hier u.a. auch die New York Times) aggregiert ebenfalls Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen.
Update: Inhalt kostenlos im Internet zugänglich
Es dauerte nur einen Tag – und der gesamte Inhalt von ‘The Daily’ ist frei im Netz zugänglich. Unter ‘The Daily: Indexed’ lassen sich sämtliche Artikel ohne App und Abo lesen – zwar etwas weniger benutzerfreundlich, dafür aber umsonst. Das ganze funktioniert quasi durch die Hintertür. Alle Artikel für die App werden auch online bereitgestellt (allerdings ohne Index), um es den Nutzern zu ermöglichen, diese auf sozialen Netzwerken zu teilen. Der Empfänger bekommt dann einen entsprechenden Link auf die Daily Website und kann den Artikel kostenfrei lesen. Auch Suchmaschinen sollen so die einzelnen Artikel aufspüren. Der Programmierer Andy Baio bündelte nun alle Links und bastelte in angeblich 20 min. eine Übersichtsseite, die auch als Archiv arbeiten soll. Weitere Hacker-Tipps werden munter im Netz ausgetauscht. Laut New York Times sieht die News Corp. ihr Geschäftsmodell dadurch aber nicht in Gefahr, spricht sogar von kostenlosem Marketing, da die App zusätzlichen Mehrwert biete. Kostenlose PR hin oder her – ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell sieht anders aus.




