Das Fernsehen entzog sich bisher weitgehend den Veränderungen, mit denen das Internet andere Medien überrollte. Während das Netz den Musikmarkt für immer veränderte, eBooks die Verlagsbranche durcheinanderwirbeln und die Printmedien sinkende Auflagen hinnehmen müssen, hat sich im Fernsehen deutlich weniger getan. Und nun? Stehen die Internetgiganten in den Startlöchern und wollen nichts weniger als die Bildschirme in den Wohnzimmern erobern – bzw. den milliardenschweren TV-Markt dahinter.
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Die Kontrahenten? Wieder einmal stehen sich Google und Apple gegenüber. Daneben gibt es aber noch eine Reihe weiterer ernstzunehmender Anbieter, die die Verschmelzung von Web und TV vorantreiben. Interessant: Sie alle verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und zeigen dem Nutzer neue Möglichkeiten auf. Doch letztlich wird es der Nutzer sein, der über Erfolg und Misserfolg der einzelnen Projekte entscheidet!
Die Strategien der beiden Kontrahenten könnten kaum unterschiedlicher sein: Google will den Fernseher in einen Computer verwandeln. Apple ist der Meinung, dass wir keinen weiteren Computer im Wohnzimmer brauchen. Wer wird gewinnen?
- Google TV
In Kürze startet Google’s ambitioniertes Projekt Google TV, über das wir bereits im Juni ausführlich berichtet haben [Google TV: Der Kampf um den Fernseher geht in eine neue Runde]. Nun hat Google weitere Details zu Kooperationspartnern und Preisen genannt. Und die Zahl der Skeptiker wird zunehmend geringer. Auch wenn laut Crunchgear “Google TV isn’t going to be the revolutionary hero we all want it to be.” Aber es scheint ein Riesenschritt in die richtige Richtung zu sein. So kann bspw. während einer Nachrichtensendung parallel verfolgt werden, wie auf Twitter über ein Thema diskutiert wird.
Interessante Partner: Technische Partner sind Sony (“Sony Internet-TV powered by Google”) und Logitech (“Google TV Logitech set-top boxes”); beide bewerben bereits die Hardware. Als Contentpartner werden auf der neuen Google TV Site die Time Warner Kanäle CNN, TBS, TNT, CNBC, Cartoon Network und HBO genannt. Allerdings fehlen noch Namen wie Walt Disney, News Corp., Viacom oder NBC Universal. Interessant: Google TV wird eine Brick&Mortar Distribution via Best Buy haben. Daneben gibt es Android-Apps (etwa Spiele, Reiseplaner, Facebook oder Skype) und der Nutzer hat Zugriff auf verschiedene Film-Angebote. In den USA sind Netflix und Amazon an Bord, die gegen Gebühr Kinofilme oder TV-Serien auf den Fernseher streamen.
Der Vorteil für Google laut Eric Schmidt liegt in den geringeren Streuverlusten im Vergleich zu herkömmlicher TV-Werbung. Denn Google könnte zukünftig viel besser dafür sorgen, dass über den Fernseher der interessierte Nutzer angesprochen wird, anstelle wie heute alle Zielgruppen mit den gleichen Werbeclips zu berieseln. Um welche Summen es geht? Allein in den USA, Googles Hauptmarkt, fließen jährlich 70 Mrd. Dollar in TV-Werbung. Dazu kommt: Die TV-Plattform läuft auf Basis von Google’s Handy-Betriebssystem Android. Das heißt, auch Mobiltelefone können problemlos in Googles neue Fernsehwelt eingebunden werden. Und androidbasierte Smartphones liegen bzgl. Verkaufszahlen bekanntlich bereits vor Apple’s iPhones.
- Apple TV
Während Google den Ansatz verfolgt, das ‘volle Web’ auf den TV-Bildschirm zu bringen, hat man via der Wohnzimmer-Box Apple TV zwar Zugriff auf Filme und Videos aus Apples iTunes-Store oder kann Videos von YouTube auf den Fernseher holen – hat aber keinen vollen Zugriff auf das Internet. Es gibt keinen App-Store, keine Spiele und keinen Webbrowser. Apple geht es v.a. darum, Medien- und Computerinhalte zukünftig auch auf den grossen TV-Bildschirm zu distribuieren. Nutzer können Filme und TV-Serien von ABC, Fox, Disney Channel und BBC America wählen. Geld verdient Apple durch den Verleih dieser Inhalte. Preislich liegt Apple TV daher auch weit unter Google TV.
Interessant: Das neue kostenpflichtige Abo-Angebot Hulu Plus des erfolgreichen US-Videodiensts Hulu, ist über Apple’s App Store bereits für iPhone und iPad verfügbar. Vielleicht auch bald via Apple TV?

Und was bedeutet das für Deutschland und die hiesigen Pläne? Während Google TV in Deutschland erst in 2011 starten soll (über Contentpartner ist noch nichts bekannt), ist Apple TV aktuell auch hier schon zu haben. Allerdings ist in den Vereinigten Staaten das Inhalte-Angebot für Apple TV weitaus grösser als in Deutschland. Was haben die deutschen Sender dem entgegenzusetzen? Hierzulande entwickeln die beiden großen deutschen Medienhäuser ProSiebenSat.1 und RTL gemeinsam ein TV-Angebot für das Internet, quasi ein europäisches Hulu. Die Internet-TV-Plattform wird sich vom amerikanischen Vorbild jedoch in einem Punkt unterscheiden: Sie ist kein Content-Aggregator. Während das amerikanische Angebot eine On-Demand-Abspielplattform professioneller Inhalteanbieter ohne eigene Sender-Kanäle darstellt, sollen auf der geplanten deutschen Seite alle teilnehmenden Sender eigene Kanäle bekommen. Parallel plant auch das ZDF eine eigene Video-on-Demand Plattform.
Doch ob das reicht, um den Internetgiganten Paroli bieten zu können, darf bezweifelt werden. Es bleibt spannend!




