Erinnern Sie sich noch an die WM 2006? Wenige nutzergenerierte Videos mit schlechter Bildqualität auf dem Handy-Bildschirm; die von der Telekom geplante Übertragung von 20 Spielen floppte aufgrund schlechter Bildqualität, Batterieüberlastung und einem nicht auf mobil zugeschnittenen Programm. Bewegtbild mobil zu empfangen war schlicht und einfach zu kompliziert.

Kein Vergleich zu dieser WM! Noch nie war Fußball so mobil: Spiele können live mitverfolgt und Videos aus den Zuschauerrängen und von WM-Partys miterlebt werden; den offiziellen WM-Song gibt’s für 1,79€ im iTunes Store und Hintergrundberichte können auf dem Weg zur Arbeit abgerufen werden. Weltweit gibt es 175 Mio. Smartphone-, über 50 Mio. iPhone-Nutzer und an die 150 Mio. iTunes Accounts. Das mobile Internet wächst acht Mal schneller, als sich das stationäre Internet entwickelt hat – und zwar vor allem durch das iPhone. Dort ist derzeit Youtube noch vorinstalliert, aber auch iTunes wartet mit Videocontent auf und via T-Mobile-TV-Lite App sind auch TV Sender zu empfangen. Die dahinter liegenden Geschäftsmodelle sind klar – aber welches wird sich für welche Inhalte durchsetzen?
Bzgl. Distribution, Reichweite und Werbeformen unterscheiden sich YouTube (Google), iTunes (Apple) und LIGA total! (T-Mobile); auch die Marktteilnehmer entlang der Wertschöpfungskette sind unterschiedlich. iTunes hat sich wohl den VOD-Platz gesichert und ist aus Sicht der Medien trotz hoher Abgaben an Apple für Medienfirmen der wohl interessanteste (Abo-) Vertriebspartner. Auch YouTube ist aufgrund seiner hohen Reichweite sehr gut platziert. Und: Durch die Vorinstallation von Youtube auf dem iPhone sind mobile Videos nur zwei Klicks vom Smartphone-User entfernt. Das Vorbild hier: Free-TV. Einschalten, umschalten, dann ist man im Zweifel im richtigen Programm. Damit ist YouTube wohl für Werbetreibende am interessantesten.
Dagegen ist das Rennen um den Pay-TV Platz noch offen: Neben T-Mobile stehen auch Contentanbieter wie RTL oder Sevenone in den Startlöchern; es wird sich zeigen, ob das Rennen über Apps (T-Mobile) oder mobile Portale der TV-Sender entschieden wird. DAS entscheidende Angebot fehlt allerdings mobil noch: Das Angebot des Free TV. Sicher gibt es schon Angebote wie 7 Day Catch-Up (Die besten Sendungen der letzten 7 Tage der Sendergruppe SevenOne Media), doch ein echtes Free TV Modell ist noch nicht etabliert [Mehr dazu auch im AMD-VideoChannel].
Unser Fazit: Es wird spannend zu beobachten, wer mobiles Free TV in Deutschland etablieren wird. Eines ist jedoch sicher: Die Penetration von mobilem Internet wird die stationäre Internetnutzung spätestens 2013 überholt haben. Für Unternehmen ist es daher wichtig, heute ein Verständnis des mobilen Kanals zu erarbeiten, um morgen handlungsfähig zu sein! Dann können wir uns auch auf ein mobiles Sommermärchen 2014 freuen.




