Google TV: Der Kampf um den Fernseher geht in eine neue Runde

Viel wurde geschrieben und kommentiert: Mit Google TV rüstet sich der Suchmaschinenriese, um nun auch die Bildschirme in den Wohnzimmern zu erreichen. Nicht nur TV-Sendungen, sondern auch Webinhalte sollen über den TV-Bildschirm abgerufen werden können. Google TV ist nicht der erste Versuch eines Internetunternehmens, seinen Angeboten mehr Reichweite zu verschaffen und den milliardenschwerden TV-Markt zu erobern – Apple TVYahoo Connected TV oder MSN Web TV stehen ebenfalls in den Startlöchern. Vorteile seiner Lösung sieht Google in der schnellen Auffindbarkeit dessen, was man ansehen möchte sowie in personalisierten Inhalten. Technisch gesehen soll Google TV in Fernsehgeräte, Blu-Ray-Player und Settop-Boxen integriert werden. Diese können dann auch über Smartphones mit Google’s Betriebssystem Android gesteuert werden. Auf Handys abgespielte Videos können so direkt auf den großen Fernsehbildschirmen gesehen werden.

Google’s Ziel: Massgeschneiderte Werbung für vier Mrd. TV-Nutzer weltweit
Der Anreiz für das ambitionierte Vorhaben ist groß: Google hat als Marktführer bei der Online-Werbung v.a. den gewaltigen Fernsehwerbemarkt im Visier. Dessen Umfang beläuft sich nach Angaben des IT-Blogs Techcrunch allein in den USA auf rund 70Mrd. $ jährlich [Zum Vergleich: Online-Werbemarkt in USA 26 Mrd.]. Und Google nennt weitere Zahlen für sein Vorhaben: Weltweit gibt es eine Mrd. PC-, zwei Mrd. Mobile-, aber vier Mrd. (!) TV-Nutzer. Wobei der durchschnittliche Amerikaner täglich fünf Stunden vor dem Fernseher sitzt. TV sei damit das wirkliche Massenmedium.

Während derzeit noch ein Grossteil der Kommentare skeptisch auf Google’s neues Projekt reagiert [Bsp.: AdAge: Five reasons consumers won't tune in to Google TV], sieht Forrester Analyst James McQuivey hierin das ‘nächste grosse Ding’, da es ehrgeiziger sei und damit erfolgversprechender. Als Erfolgsfaktoren nennt er die schiere Menge an Onlinevideos, zu denen Google durch YouTube, Hulu und Netflix Zugang besitzt, die grosse Anzahl an Breitbandzugängen in den USA sowie v.a. die Kooperation mit Sony, die Zugang zum Massenmarkt verschafft.

Fazit: Sicher ist, die Verschmelzung von Web und TV wird kommen. In welcher Form wird sich zeigen. Wie so häufig, wird letztlich der Nutzer über Erfolg oder Misserfolg einzelner Angebote entscheiden. Dem technisch wenig affinen Otto-Normal-Nutzer ist es gleichgültig, aus welcher Dose er sein Angebot bezieht. Entscheidend sind einfache Bedienbarkeit, interessante Inhalte und sicher auch die Kosten für das Gesamtpaket. Doch hat Google mit seinem TV-Projekt nun einen Fuß in der Tür zum milliardenschwerden TV-Markt.

Google selbst wirbt mit folgendem Spot für sein neuestes Projekt.

Forrester Analyst James McQuivey: “Google TV will be a persistent interface that resides on your TV, giving you access to search functions (…) any time you’re watching TV, not just when you switch the input.”