Deutsche Fußballvereine und ihre Sponsoren nutzen die Vertriebspotenziale von Social-Media-Angeboten wie Facebook nicht. Im europäischen Vergleich der Facebook-Reichweiten liegen die Spitzenteams der Bundesliga weit abgeschlagen. Während der FC Barcelona 1,3 Millionen Fans auf seiner offiziellen Facebook-Seite versammelt, bekennen sich gerade 20.000 Anhänger zum FC Bayern München auf dessen größter Facebook-Seite. Und diese Seite wird nicht einmal von den Bayern selbst, sondern von privaten Nutzern betrieben. Damit verhalten sich die digitalen Gefolgschaften der beiden Spitzenclubs wie 65 : 1.
Wir haben am vergangenen Wochenende einen umfassenden Snapshot der aktuellen Facebook-Mitgliedschaften gemacht und die Facebook-Auftritte der Vereine in der 1. Bundesliga mit denen der größten spanischen, englischen, italienischen und französischen Clubs verglichen. Das Ergebnis: Spanier, Engländer und Italiener liegen auf dem digitalen Spielfeld weit vorne. Den deutschen Clubs gehen national wie international Reichweite und somit Vertriebs- und Kundenbindungskraft verloren. Dabei ist nichts leichter, als die Emotionalität der Fußballfans in Internet-Freundschaften und diese in Umsätze zu verwandeln.

In der Tat nutzen die Clubs wie Barcelona, Liverpool oder AC Milan die eigenen Facebook-Seiten offensiv für Merchandising, Ticketing und auch, um echte – bezahlte – Clubmitgliedschaften zu verkaufen. Die Chance mit Millionen Fans weltweit direkt zu kommunizieren hat man in keinem anderen Medium. Wir sehen hier große Potenziale gerade für Sponsoren. Es gibt ja auch aus der Offline-Welt sehr gute Beispiele, wie Fußballfans zu Käufern gemacht werden. So hat bspw. die HypoVereinsbank bereits zwischen 2003 und 2005 über 100.000 Bayern-Sparcards gezielt an FC-Bayern-Fans verkauft und damit in nur zwei Jahren 1,7 Mrd. € Anlagevolumen eingesammelt. Vertriebseffekte gehören für immer mehr Sponsoren zu den Hauptargumenten, warum sie überhaupt in Sponsoring investieren. Nur, damit das Logo am Samstag über die Bande huscht, gibt niemand mehr Millionen aus. Reichweiten und Emotionen im Sport müssen in Verkäufe umgewandelt werden. Das geht auf Social-Media-Plattformen sehr gut – hier lassen deutsche Clubs und ihre Wirtschaftspartner derzeit viel Geld auf der virtuellen Tribüne liegen.
Nur drei Vereine der ersten Bundesliga haben (Stand 6. Februar 2010) überhaupt eine offizielle Facebook-Seite: Der HSV (11.000 Facebook-Fans), Hannover 96 (4.000) und Hertha BSC (2.000). Deren Größe ist marginal im Vergleich zu den großen europäischen Clubs wie Barcelona, Liverpool, Real Madrid (jeweils über 1 Million), aber auch Chelsea, AC Milan und Paris Saint Germain (jeweils mehrere Hundertausend).

Wenigstens haben diese drei Vereine offizielle Seiten und machen damit ihre Erfahrungen. Die nach Vereinsmitgliedschaften größten deutschen Vereine Bayern München und Schalke 04 dagegen haben nichts Eigenes. Sieht man sich aber die Zahl der echten Vereinsmitglieder beim FC Bayern München von über 153.000 an, müsste eine offizielle Facebook-Seite der Bayern auch so groß werden können wie diejenige von Barcelona. Denn die Katalanen haben mit 163.000 auch nur 10.000 mehr zahlende Clubmitglieder als die Münchner. Unsere ganz einfache Modellrechnung: Verkauft man nur jedem 1.000sten der – durchaus erreichbaren – 1,3 Mio. Facebook-Fans der Bayern einen Audi A4, macht 1.300 Autos zu durchschnittlich 35.000 € und einen Umsatz von 45,5 Mio. € Euro für den Bayern-Sponsor Audi.
In den USA sind die Markenartikler weiter. PepsiCo schaltete zum ersten Mal seit 23 Jahren am vergangenen Wochenende keinen TV-Spot während der Endspiel-Übertragung der National Football League, sondern investierte lieber 20 Mio. US$ in den Ausbau seiner Facebook-Seite.
Hier der ausführliche Vergleich der Facebook-Reichweiten deutscher und europäischer Fußballvereine – ein Klick auf die Grafik und Sie sehen die gesamte pdf-Tabelle:

aquarius sales ist der neue Geschäftsbereich von aquarius consulting. aquarius sales hat sich darauf spezialisiert, die digitalen Potenziale in Marketing- und Vertriebsprozessen unserer Kunden zu heben.