Seit Apple das iPhone auf den Markt gebracht und damit einen regelrechten Kult rund um dieses Mobiltelefon ausgelöst hat ist auch ein völlig neuer Markt entstanden – der Markt für Applikationen. Zu Beginn noch etwas unscheinbar, waren es doch nur ein paar wenige hundert Hobby-Entwickler die dem Ruf Apples vor gut einem Jahr gefolgt sind und anfingen mehr oder minder nützliche Applikation zu schreiben. Mittlerweile sind mehr als 125.000 Entwickler bei Apple registriert. Und so kann der stolze Besitzer eines iPhones inzwischen aus rund 85.000 solcher Applikationen, kurz Apps, wählen. Die Apps stehen dem Nutzer über den iTunes Store zum teils kostenlosen, teils kostenpflichtigen Download zur Verfügung. Dabei ist nicht unbedingt die Nützlichkeit der Applikation das Kriterium für Ihren Preis. Besonders beliebte Applikationen sind Spiele, Navigationssysteme und Büroanwendungen. Aber es ist so ziemlich alles an Apps vorhanden was man sich nur vorstellen kann, von Wasserwaage, Kompass über Rasierapparat (der natürlich nicht wirklich rasiert) und Eieruhr.
Und wer verdient so richtig an den unzähligen Applikationen – Apple natürlich! Denn zur Registrierung muss jeder Entwickler einmalig 99 Dollar zahlen (Hilfestellung, Zahlungsabwicklung und Qualitätscheck inklusive). Dann gehen noch weitere 30 Prozent aus den Einnahmen der Downloads an Apple. Der Entwickler erhält immerhin 70 Prozent aus den Einnahmen. Um damit aber wirklich Geld zu verdienen muss er es erst einmal auf die Top-Listen der Apps schaffen und dabei auch noch positive Bewertungen der Nutzer erhalten. Dann, sind wie im Fall von Sophia Teutschler, 27, die den „Tipulator“ (welcher das angemessene Trinkgeld ausrechnet) auch 5-stellige Erlöse möglich.
Rund zwei Milliarden iPhone Apps wurden bisher herunter geladen. AdMob, ein amerikanischer Werbevermarkter (mittlerweile von Google gekauft), schätzt den App Store Umsatz für iPhone und iPod touch auf monatlich rund 200 Millionen Dollar (und zum Vergleich – den Applikationen-Umsatz im Android Markt auf gerade mal 5 Millionen Dollar monatlich – siehe auch die folgende Grafik). Dabei laden sich iPhone-Nutzer laut AdMob monatlich rund zehn Apps herunter; bei den iPod touch Nutzern sind es sogar 18 Apps pro Monat. Im Durchschnitt geben die regelmäßigen Nutzer für die Downloads 9 Dollar im Monat aus. Die Beratungsfirma Strategy Analytics prognostiziert dem Apps-Markt weltweit für 2013 bereits einen Umsatz von 6 Milliarden Dollar.

Bild: admob.com (Mobile Metrics Report, July 2009)
Bei derartigen Zahlen ist das Ergebnis einer von Scout24 und dem Markforschungsinstitut Innofact durchgeführten Trendbefragung vom Oktober 2009 in Deutschland nicht verwunderlich. Hierbei gaben rund 70 Prozent der befragten Onliner an, dass sie bereit wären für mobile Applikationen Geld zu bezahlen, wenn diese Ihnen einen persönlichen Mehrwert bieten.
Ein Markt mit einer goldenen Zukunft also – und dass in einer Branche die seit ihren fetten Boom-Jahren eher mit stagnierenden, wenn nicht gar sinkenden Umsätzen zu kämpfen hat. Apple sei dank!
Quellen: Der Spiegel Heft 45/2009, AdMob, Scout24